Zwischen den Jahren nannte man die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr. Für diese Zeit gab es früher einige Verhaltensmaßregeln. So wurde zum Beispiel darauf geachtet, dass angefangene Handarbeiten vorher fertiggestellt wurden. Ein nicht fertiggestelltes Produkt galt als sogenannter ‘Neujahrsesel’. Wäsche durfte in dieser Zeit nicht zum Trocknen aufgehängt werden. Das Knallen in der Silvesternacht diente eigentlich dazu, die bösen Geister zu vertreiben und am Neujahrstag gab es zum Mittagessen Krautsalat. Der Genuss von Kraut sollte dazu dienen, dass im kommenden Jahr kein Geldmangel herrschte. Sinn und Zweck der anderen Bräuche sind mir leider nicht bekannt.
Man hat sich zwar meist daran gehalten, aber glaubte man wirklich an die positive Wirkung eines solchen Verhaltens? Wahrscheinlich dachte man, schaden kanns nichts. Hält man sich jedoch nicht daran, könnte man sich vielleicht doch später Vorwürfe wegen der Mißachtung des Brauches machen.
Kennt noch jemand der Leser hier solche Bräuche? Über Hinweise und Kommentare freue ich mich.
Wie jedes Jahr zu Weihnachten, stand dieses Jahr am 1. Weihnachtsfeiertag der Besuch bei meiner Mutter auf der Tagesordnung. Ich werde dort immer wieder an meine Kindheit erinnert und bin danach, wenn wir wieder zurück sind, jedes Mal aufgewühlt und teilweise nicht so recht ansprechbar. Meine Mutter wohnt jetzt alleine in meinem Geburtshaus, einem alten Fachwerkhaus mit Hof, Scheune und alten Stallungen, in dem früher bis zu 4 Generationen gelebt haben. Alles erinnert noch an die in früheren Zeiten dort und die von meinen Eltern und Großeltern ausgeführte Tätigkeit als Landwirte. Ich habe als Kind eher darunter gelitten und sehe einen Bauernhof aus ganz anderen Gesichtspunkten wie viele, die dabei an süße kleine Kälbchen, Ferkelchen, Pferde oder ähnliches denken.
Meine Schwester und ich mussten schon als Kinder viel mithelfen. Keiner sprach damals von Kinderarbeit. Und dann kam noch dazu, dass eine von uns den Bauernhof fortführen sollte. Meine Schwester hatte schon eher Interesse als ich. Sie hatte allerdings einen Sportunfall und konnte danach mit ihrem linken Arm bestimmte Tätigkeiten nicht mehr ausführen. Und ich wollte unter keinen Umständen einen Bauernhof führen. Es gab schwere Wortgefechte zwischen meinen Vorfahren und mir. Ich wollte mehrmals alles hinter mir lassen und einfach “abhauen”, wie man damals sagte, brachte es aber dann doch nicht fertig.
Das Problem löste sich dann irgendwann von alleine, als ein Bauernhof, der nicht ausbaufähig war, nicht mehr überleben konnte. Mein Vater musste bereits gepachtetes Land wieder abgeben und den Hof später nur noch zum Nebenerwerb betreiben, bis er dann zuletzt ganz aufhörte und das Land an andere größere Bauern verpachtete. Natürlich hatte er nichts anderes als den Beruf des Landwirts gelernt (und diesen beherrschte er) und arbeitete danach als Lagerarbeiter mit einem sehr kleinen Verdienst.
Es fehlte immer an Bargeld. Zum Essem hatten wir genug. Als es aber nur darum ging, eine Realschule oder ein Gymnasium zu besuchen, was nur in der nächsten Stadt möglich gewesen wäre, fehlte es schon an den nötigen Mitteln. Auch hatte mein Vater nicht genügend Geld, um seine spätere Rente aufzubessern. Meine Mutter lebt heute sehr bescheiden und bringt es trotzdem noch fertig, allen ihren Kindern und Enkeln einen Umschlag mit einem Geldschein zu Weihnachten zu schenken. Auch für alle Urenkel (es sind mittlerweile 10) hat sie ein Geschenk.
Ich möchte in dieser Rubrik von Zeit zu Zeit einige Beiträge bringen über das Leben damals aus meiner Sicht. Es hat sich in der Zwischenzeit sehr viel geändert. Auch ich habe mich geändert und vieles von Damals vergessen, auch vergessen wollen. Eventuell findet sich der ein oder andere Leser, dem es ähnlich erging. Über Beiträge und Ergänzungen würde ich mich freuen.